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Kleine Schritte, große Sprünge

Erfolgsgeschichten

Erfolgreich zurück in den Beruf

Perspektive Wiedereinstieg ist kein neues Projekt: Seit März 2008 wurde das Vorgängerprogramm „Perspektive Wiedereinstieg – Bereit für neue Wege“ bereits erfolgreich umgesetzt. In Bremen wurden 570 TeilnehmerInnen ins Projekt aufgenommen und jeweils für mindestens sechs Monate begleitet. Davon kehrten etwa 65 Prozent zurück in die Berufstätigkeit bzw. Selbstständigkeit oder nahmen an beruflichen Qualifizierungen teil.

Einige dieser Erfolgsgeschichten stellen wir hier vor, weitere WiedereinsteigerInnen berichten auf der PWE-Bundesseite www.perspektive-wiedereinstieg.de (per Klick auf „Wiedereinstieg“ und „Erfolgsgeschichten“) von ihrer erfolgreichen Rückkehr ins Berufsleben.

Mutmacherinnen berichten:

Julia B.: „Von der Komfortzone zum Traumjob“
Gesine S.: „Hartnäckig am Ball bleiben.“
Sabine K.: „Den richtigen Zeitpunkt erkennen.“
Christine L.: „Ich wurde ermutigt und bestärkt!“

Julia B.: Von der Komfortzone zum Traumjob oder Familien-Ich und Berufs-Ich in Personalunion

Die Vorgeschichte.

Julia B. (44) studiert in Süddeutschland Stadtplanung und arbeitet dort direkt nach dem Studium als Stadtplanerin. Als sie im 4. Monat schwanger ist, bekommt ihr Mann ein Jobangebot in Bremen. Die Entscheidung steht schnell fest: Sie wird mit ihrem Ehemann gemeinsam in den Norden ziehen, sobald ihre Elternzeit beginnt. Nach fünf Jahren Berufstätigkeit ist für sie der Zeitpunkt passend, um eine kleine Auszeit zu nehmen. Aus dieser geplanten kurzen Pause im Berufsleben werden acht Jahre: Durch die Entfernung kann sie nicht zurück zu ihrem alten Arbeitgeber kehren. Hinzu kommt, dass auch ihr Mann beruflich sehr eingebunden ist und sie im Alltag wenig unterstützt, zudem fehlt ihr sowohl das familiäre Netzwerk an ihrem neuen Wohnort. Nach zweieinhalb Jahren Elternzeit wird Julia B. erneut schwanger und nimmt weitere drei Jahre Elternzeit.

Der Wunsch.

Frau B. denkt in dieser Zeit immer wieder über einen beruflichen Neueinstieg nach. Eine Idee  ist es, ihr Hobby zum Beruf zu machen, eine Kreativschule zu gründen oder als Erzieherin oder Lehrerin zu arbeiten, sie verwirft die Realisierung allerdings wieder. Der Grund: ein zeitintensiver Job lässt sich nur schwer parallel zur Kindererziehung umsetzen: „Ich dachte, ich kann eigentlich gar nicht mehr arbeiten, weil ich so viel mit der Alltagsorganisation zu tun habe und weil ich auch niemanden habe, der mich unterstützt oder den ich irgendwie einspannen kann wie zum Beispiel die Großeltern. Ich muss alles selber machen.“ Auch ihr Mann kann sie zeitlich wenig unterstützen, da er fast 60 Stunden pro Woche arbeitet und oft auf Geschäftsreisen unterwegs ist. „Zwar fand er es gut, dass ich den Wunsch hatte wieder einzusteigen, nur sollte ihn das möglichst wenig tangieren.“

Als ihr ältester Sohn acht Jahre alt wird, trifft sie eine andere Mutter, die von ihrem beruflichen Wiedereinstieg nach der Familienzeit erzählt. Langsam wird ihr bewusst, dass sie gern wieder arbeiten würde. „Erst war es so ein Gefühl, dass ich wieder arbeiten sollte.  So nach und nach wurde mir dann klar, dass ich mir etwas Eigenes aufbauen möchte. Schon damals hatte ich das Gefühl, dass ich mich sehr auf meine Familie konzentriert und meine eigenen Bedürfnisse immer hintenan gestellt habe, für mich bleibt keine Zeit. Daran haben sich auch alle gewöhnt. Und dann dachte ich: Wo bleib´ ich da eigentlich?“ So nach und nach wird ihr klar, dass sie sich von diesem Bild verabschieden muss.

Die Chance.

Eine Bekannte berichtet ihr von dem Programm „Perspektive Wiedereinstieg – Bremen“ (PWE). Für Frau B. ist das genau der richtige der Zeitpunkt, aktiv zu werden. PWE kennt sie bereits: „Ich hatte vor längerer Zeit einen Flyer mitgenommen – das Thema war schon präsent, aber ich habe mich da nicht so recht herangetraut“. Sie befürchtet vor allem, dass ihre Berufspause zu lang war. Als sie eine Frau kennenlernt, die sogar mit Ende Fünfzig nach dem Abitur ihres Sohnes erfolgreich in ihren alten Job zurückgekehrt ist, beschließt sie, ihren Wiedereinstieg aktiv in Angriff zu nehmen und meldet sich bei PWE an. Inzwischen sind ihre Kinder fünf und acht Jahre alt.

Mit Unterstützung ihrer Beraterin arbeitet die Stadtplanerin vor allem an ihren Bewerbungsunterlagen und konzentriert sich dabei besonders auf den Lebenslauf. Während ihrer Teilnahme an der PWE-Seminarreihe „Mein Weg zum Ziel“ wird ihr nach und nach bewusst, dass sie zurück in ihren alten Beruf als Stadtplanerin möchte und keine Kompromisse eingehen wird.

Durch Vermittlung  ihrer Beraterin bekommt sie eine Stellenausschreibung im Bereich Stadtplanung in die Hände und sofort wird ihr klar: „Diese Stelle passt einfach 1:1 zu mir, das ist genau das, was ich vorher gemacht habe und was ich wieder machen möchte“. Einziger Wermutstropfen: Es handelt sich um eine Vollzeitstelle. Frau B. bewirbt sich dennoch und wird kurz darauf zum Bewerbungsgespräch eingeladen.

Das Angebot.

Das Gespräch verläuft sehr angenehm, Frau B. spielt mit offenen Karten und erklärt, dass sie zwar sehr interessiert sei, aber nicht mehr als 30 Stunden pro Woche arbeiten könne. Zwei Wochen später erfährt sie, dass jemand anderes die Stelle bekommen hat, durch eine Veränderung in der Abteilung jedoch möglicherweise eine 25-Stunden-Stelle frei werden würde. Einige Monate nach dem Bewerbungsgespräch bekommt sie tatsächlich das Angebot, mit 25 Stunden in ihrem Traumjob zu starten: „Ich musste eigentlich nur noch bestätigen, dass ich die Stelle haben möchte … und das nach nur einer einzigen Bewerbung!“

Im Nachhinein erfährt sie, dass ihre Bewerbungsunterlagen sehr herausgestochen haben: „Die ganze Arbeit vorher hat sich einfach gelohnt und auch die Beharrlichkeit meiner Beraterin hat mir sehr geholfen, ich fühlte mich sehr an die Hand genommen!“ Besonders hilfreich war für sie, dass die Beraterin ihr deutlich gemacht habe, dass sie eben nicht die kleine Hausfrau sei, die nichts mehr kann, denn genau mit diesem Gefühl ist Frau B. in das Projekt gekommen. Ihr Fazit: „Ich war im Vorstellungsgespräch einfach so davon überzeugt, dass das genau meine Stelle ist und das kam wohl auch so rüber!“ Auch bei ihrem zukünftigen Vorgesetzten stößt sie auf großes Verständnis angesichts ihrer Familiensituation, ihr Abteilungsleiter hat selber Kinder und kann die Situation gut einschätzen. „Ich habe im Bewerbungsgespräch klar gemacht, dass ich zwei gut organisierte Zeiträume haben möchte: In der Arbeit möchte ich nur an die Arbeit denken und zuhause nur an zuhause. Das ist auch das, was gefordert ist. Ich wünsche mir eine klare Trennung: ich will mein Berufs-Ich wiederhaben und mein Familien-Ich weiterführen.“

Der Neustart.

Die Zeit vor ihrem ersten Arbeitstag nutzt Frau B., um die Kinderbetreuung zu organisieren, plant Hinbring- und Abholzeiten und verteilt Alltagsaufgaben an Mann und Kinder. „Es ist schwierig, wenn man seine Eltern nicht vor Ort hat und keine Schul-Ganztagsbetreuung hat. So ist es einfach notwendig, dass mein Mann und meine Kinder mitmachen. Alle bekommen jetzt einen Schubs aus ihrer Komfortzone, müssen auch über ihren Schatten springen. Die Kinder müssen es einsehen, sonst passiert da gar nichts.“ Je mehr Alltagsaufgaben die Kinder bekommen, desto selbstständiger werden sie. Und auch ihr Mann hat seine Einstellung verändert. Er unterstützt seine Frau viel stärker und verschiebt Termine, wenn es nötig ist: „Da ist er für seine Verhältnisse absolut über seinen Schatten gesprungen!“ Und er ist stolz auf seine Frau, auf ihren Erfolg und ihren Willen: „Ich habe auch ein Studium, ich bin auch Ingenieurin, wieso soll das, nur weil ich Kinder bekommen habe, keinen Wert mehr haben?“

Gesine S.: Hartnäckig am Ball bleiben

Gesine S. (45) ist Diplom-Übersetzerin, hat aber in ihrem erlernten Beruf nie gearbeitet. Seit der Geburt ihres ersten Kindes vor acht Jahren ist sie nicht mehr berufstätig. Ihre beruflichen Erfahrungen beschreibt sie mit Büro-/Team- und Vertriebsassistenz.

In der Beratung geht es für Frau S. vor allem darum, das eigene berufliche Selbstvertrauen (wieder) zu entdecken. Die eng gesteckte Betreuungszeit und daraus resultierende Arbeitszeit sind ebenfalls wichtige Gesprächsthemen. Schnell wird deutlich, dass sie gern eine Bürotätigkeit aufnehmen möchte, bei der sie ihre Fremdsprachenkenntnisse anwenden kann. Durch den PWE-Newsletter wird Frau S. auf eine Ausschreibung der Universität Bremen als Fremdsprachenassistentin in Teilzeit aufmerksam. Sie bewirbt sich und erhält kurz darauf eine Absage. Mit Unterstützung ihrer Beraterin optimiert sie ihre Bewerbungsunterlagen und bewirbt sich ein weiteres Mal als Fremdsprachassistentin für einen anderen Fachbereich.

Dieses Mal lässt sich die Universität Zeit mit einer Antwort und lädt sie schließlich zum Vorstellungsgespräch ein. Zur Vorbereitung auf ihr erstes Bewerbungsgespräch nach langer Zeit, nimmt Frau S. gerne noch ein Coachingtermin wahr. Gut vorbereitet und mit dem Wissen um die eigenen Stärken und beruflichen Vorzüge kann sie sich tatsächlich gegen alle weiteren Mitbewerberinnen durchsetzen. Der Arbeitgeber kommt ihr sogar so weit entgegen, dass der Arbeitsbeginn erst nach ihrem bereits gebuchten Urlaub startet wird – sodass Frau S. entspannt zusagen kann. Nach den Sommerferien startet sie mit ihrer Wunscharbeitszeit von 20 Stunden/Woche, die sich optimal mit den vorhandenen Betreuungszeiten ihrer Kinder vereinbaren lassen.

Ihr Fazit: „Nach fünf Jahren Familienzeit unterstützte mich PWE dabei, meine beruflichen Stärken und Selbstbewusstsein (wieder) zu entdecken. Bei Gruppenangeboten konnte ich mich mit anderen Frauen austauschen und die Vereinbarkeit von Familie und Halbtagsstelle testen. Dieses Wissen half mir dabei, meinen Wiedereinstieg total entspannt zu starten – jetzt bin ich am Wunschziel angekommen und arbeite wieder in meinem Beruf.“

Sabine K.: Den richtigen Zeitpunkt erkennen

Frau K. ist über eine Freundin auf das Projekt aufmerksam geworden und hat sich im Internet davon überzeugt, dass das Angebot von Perspektive Wiedereinstieg sehr gut zu ihr und ihrer Situation passt. Frau K. ist mathematisch-technischen Assistentin und hat in diesem Beruf neun Jahre lang gearbeitet. Nach einer Erziehungszeit von drei Jahren nutzt sie die Rückkehrmöglichkeit bei ihrem Arbeitgeber und steigt in Teilzeit wieder ein.

Während dieser Zeit engagiert sie sich in ihrer Gemeinde, ist Mitgründerin einer Kindergruppe und dort auch im Vorstand aktiv. Parallel zur ihrer ehrenamtlichen Tätigkeit und ihrer Berufstätigkeit unterstützt sie ihren Mann in dessen neu gegründetem Betrieb mit Bürotätigkeiten. Als dann auch noch ihr Schwiegervater auf Pflege angewiesen ist und Unterstützung im Haushalt braucht, gibt sie ihre Teilzeitstelle auf.

Nach vier Jahren als Hausfrau und Bürohilfe im Betrieb des Ehemannes ergreift Frau K. mit 51 Jahren die Chance für einen Neustart und lässt sich bei PWE beraten. Zwar sind ihre Freunde von ihrer Kompetenz als IT-Fachfrau überzeugt, sie selbst hat aber Sorge, dass sie aufgrund ihres Alters und ihrer Teilzeit-Wünsche dem Leistungsdruck nicht standhalten kann und den eigenen Ansprüchen nicht genügt. Im Rahmen der Beratung entwickelt sie die Idee, an einer Weiterbildung teilzunehmen, um ihre Fähigkeiten und Kompetenzen aufzufrischen und die eigene Leistungsfähigkeit zu testen. Nach wie vor überwiegen die Zweifel und die Angst davor, ob sie wirklich zurück in den Job möchte, ob sie dort gebraucht wird und ob sie dem Druck der schnelllebigen IT-Branche noch gewachsen ist.

In der Beratung wird deutlich, dass sie sich eine Bürotätigkeit mit netten KollegInnen und Kundenkontakt wünscht – zum Beispiel im Bereich Gestaltung/Digitale Medien. Die Beraterin rät ihr zu der Weiterbildung „Digitale Medien“ an der Uni Bremen. Frau K. nimmt Kontakt zu ihrem vorherigen Arbeitgeber auf, da ihr für die Weiterbildung noch ein Zeugnis fehlt. Ihr ehemaliger Chef erfährt von ihren Plänen und bietet ihr spontan eine Teilzeitstelle (24 Stunden/Woche) mit Ausbaumöglichkeiten an. Frau K. ist noch unsicher und arbeitet zunächst einige Wochen auf Probe. In der Probezeit startet die PWE-Seminarreihe, in der Frau K. in ihrer Entscheidung für den Einstieg in ihren alten Job bestärkt wird.

Durch die Entscheidung ergibt sich eine weitere Chance: eine PWE-TeilnehmerIn übernimmt den Bürojob bei dem Ehemann von Frau K. und schafft dadurch ebenfalls den Wiedereinstieg, Frau K. kann sich voll auf ihren Wiedereinstieg konzentrieren.

Ihr Fazit: „Aus eigenem Antrieb und durch die Anforderungen im Arbeitsalltag lerne ich kontinuierlich neue Fertigkeiten dazu. Gerade die Herausforderung, dass ich mir eigenständig neue Programmiersprachen und Tools eignen kann, bereitet mir viel Freude. Bei PWE habe ich viel Motivation und Unterstützung erhalten. Ich habe gelernt, dass ich in der Situation nicht alleine bin und konnte einige Selbstzweifel abbauen.“

Christine L: „Ich wurde ermutigt und bestärkt!“

Bei Frau L. zieht sich die Familienzeit mehr in die Länge als ursprünglich gedacht. Mit vier Kindern, aktivem Elterneinsatz in Betreuungseinrichtungen und Schule und zusätzlichem ehrenamtlichen Engagement in verschiedenen sozialen Einrichtungen ist die gelernte Wirtschaftskorrespondentin gut ausgelastet. Nach 19 Jahren Erwerbsunterbrechung will sie wissen, wie die Chancen für sie stehen, wieder im Berufsleben Fuß zu fassen. Energie und Ideen hat sie genug, aber wo den Anfang machen?

Über eine Freundin hört sie von dem Projekt „Perspektive Wiedereinstieg“ und kommt in die Beratung. „Ich will unbedingt etwas machen, wo ich meine guten Sprachkenntnisse einbringen kann“, das ist für sie klar. Von einer Weiterbildung will sie zunächst gar nicht so viel wissen. Sie beginnt erst einmal, den Arbeitsmarkt im Bereich Büro/Empfang/Teamassistenz zu erforschen. „Ich bin gespannt, welche Möglichkeiten ich mit Anfang 50 habe.“

Die Erfahrungen zeigen, dass sie durchaus Chancen hätte, es aber doch unerlässlich sein würde, ihre beruflichen Kenntnisse auf einen aktuellen Stand zu bringen. Sie entscheidet sich für eine Qualifizierung in Vollzeit, die mit Hilfe eines Bildungsgutscheines der Agentur für Arbeit unterstützt wird. „Es war eine belebende, interessante und anstrengende Zeit, die auch die Familienaufgaben durcheinandergewirbelt und neu geordnet hat. Ich bin stolz auf mich und meine Familie“. Über den Weiterbildungsträger bekommt sie Kontakt zu ihrem jetzigen Arbeitgeber. Inzwischen arbeitet sie in Teilzeit in einer Firma, die im Gesundheitsbereich ein neues Projekt organisiert. Für die Kooperation mit ausländischen Partnern sind ihre Sprachkenntnisse von großer Bedeutung.

Ihr Fazit: „Die Begleitung durch die Beraterin des Projektes „Perspektive Wiedereinstieg“ war mir sehr wichtig. Hier stand ich als Person mit meinen Wünschen und Interessen im Mittelpunkt. So konnte ich meinen eigenen Weg entwickeln, Fragen klären, Sicherheit gewinnen und am Ball bleiben. Ich kann anderen Frauen, die nach der Familienzeit unsicher sind, wie es beruflich weitergehen soll, sehr empfehlen, sich durch das Projekt beraten und begleiten zu lassen. Auf manche Ideen wäre ich allein nicht so schnell gekommen, ich wurde ermutigt und bestärkt, so hat sich der Weg geebnet. Meine jetzige Aufgabe ist noch neu und ziemlich aufregend, sie fordert mich heraus. Ich bin gespannt, wohin mich dieser Weg führt!“